Die Schweiz ist bereit für ein höheres Rentenalter!

Wissenschaftler beweisen, dass ein höheres Rentenalter der richtige Weg ist

Die Vorbehalte gegen ein höheres Rentenalter in der Schweiz sind unbegründet. Die in diesem Gutachten diskutierten Zahlen und wissenschaftlichen Studien legen nahe, dass sowohl die Gesundheit der Menschen wie auch der Arbeitsmarkt auf eine Erhöhung des Rentenalters bestens vorbereitet wären. Bereits heute sind denn auch viele Personen in der Schweiz über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig.

Faktencheck

Acht populäre Argumente gegen eine Rentenaltererhöhung wurden ökonomisch analysiert

Die älteren Arbeitnehmer sind äusserst gut in den Schweizer Arbeitsmarkt integriert. Die Ar- beitsmarktbeteiligung der älteren Bevölkerung steigt seit Jahren an und ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Ein generelles Arbeitslosigkeitsproblem für ältere Arbeitnehmer besteht nicht – im Vergleich zu anderen Altersgruppen ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor unterdurch- schnittlich. Ältere Arbeitnehmer sind allerdings häufiger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenversicherung trägt dieser Problematik bereits heute Rechnung, indem ab dem 55. Altersjahr ein längerer Leistungsbezug möglich ist. Fallstudien zeigen zudem, dass mehrheitlich nicht das Alter, sondern andere Integrationshemmnisse für eine Langzeitarbeitslosigkeit entscheidend sind. In den nächsten Jahren wird die demografische Entwicklung zu einer spürba- ren Verknappung des Arbeitsangebotes führen, was der Nachfrage nach älteren Arbeitskräften zusätzlichen Schub verleihen dürfte. Die Daten und die demografische Entwicklung sprechen folglich klar gegen das Argument.

Fälschlicherweise wird oft angenommen, die Anzahl der Arbeitsplätze in einer Volkwirtschaft sei fix vorgegeben. Arbeit ist jedoch keine Frage der simplen Verteilung durch die Politik. Volks- wirtschaft und Arbeitsmarkt sind nicht statisch, sondern dynamisch. Internationale Studien zeigen denn auch: Von einer höheren Erwerbstätigkeit der Älteren profitieren auch die Jüngeren über eine stärkere Erwerbstätigkeit und geringere Arbeitslosigkeit. Indem der dynamische Schweizer Arbeitsmarkt laufend neue Jobs geschaffen hat, konnte in den vergangenen Jahren eine grosse Anzahl an inländischen Frauen und ausländischen Arbeitskräften zusätzlich in den Arbeitsmarkt integriert werden. So ist die Anzahl der in der Schweiz arbeitenden Erwerbstätigen in knapp drei Jahrzehnten um über eine Million gestiegen. Die sehr hohe Erwerbsbeteiligung – gerade auch der Älteren – geht dabei mit einer niedrigen (Jugend)-Arbeitslosigkeit einher. Die ökonomische Logik wie auch die empirische Evidenz geben keine Hinweise darauf, dass der Arbeitsmarkt für zusätzliche über 65-Jährige nicht bereit wäre oder die Arbeitsmarktchancen der jüngeren Generationen dadurch negativ beeinträchtigt würden.

Dank steigendem Wohlstand und medizinischem Fortschritt ist die Lebenserwartung in der Schweiz im Laufe des 20. Jahrhunderts stark angestiegen. Die Menschen werden aber erfreuli- cherweise nicht nur immer älter, sondern bleiben auch länger gesund. Wie die Forschung zeigt, hat sich der Alterungsprozess um ein Jahrzehnt nach hinten verschoben («70 ist das neue 60»). Hatten 65-Jährige im Jahr 1992 durchschnittlich noch 11–12 Jahre in guter Gesundheit vor sich, sind in der Zwischenzeit weitere 3 Jahre dazugekommen. Sowohl in der Altersklasse 55–64 wie auch in der Altersklasse 65–74 beschreiben gut drei Viertel der Personen beider Geschlechter ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Das Alter 65 stellt keine Schwelle dar, an der gesundheitliche Probleme bemerkbar zunehmen würden. Gesundheit ist entsprechend nicht die Hauptursache für den Zeitpunkt der Pensionierung. Für die meisten Menschen in der Schweiz wäre beispielsweise ein Rentenalter 67 gesundheitlich bereits heute kein Problem. Allerdings spricht viel dafür, den Renteneintritt flexibel zu gestalten, so dass Menschen bei unterschiedlicher Gesundheit und Präferenzen auch unterschiedlich lange arbeiten können.

Während die physische und kognitive Leistungsfähigkeit ihren Höhepunkt schon in relativ jungen Jahren erreicht, steigen Faktoren wie Erfahrungswissen, Führungskompetenz und Beur- teilungsvermögen über die Lebenszeit an. Erkenntnisse der neueren Literatur deuten darauf hin, dass die Arbeitsproduktivität im Alter (d.h. in den Jahren vor dem ordentlichen Ren- tenalter) konstant bleibt. Das Vorurteil, ältere Erwerbstätige seien im Vergleich zu jüngeren Arbeitskollegen weniger produktiv, kann somit nicht bestätigt werden. Das laufend zunehmende Bildungsniveau der älteren Altersgruppen, eine verbesserte Gesund- heit sowie politische Massnahmen dürften die Arbeitsproduktivität zukünftig positiv beein- flussen. Ferner bestehen Indizien, dass ein höheres Rentenalter die Investitionen ins Human- und Sozialkapital stimuliert und somit die Produktivität der älteren Erwerbstätigten zusätzlich steigern könnte.

Einerseits sollte es nicht Aufgabe eines Sozialversicherungssystems sein, durch eine spezi- fische Ausgestaltung der Parameter mutmassliche Ungerechtigkeiten in anderen Bereichen ausgleichen zu wollen. Die sozialpolitisch konzipierte AHV lebt von der Solidarität und der Gleichbehandlung aller Bürger, was durch das unterschiedliche Rentenalter verletzt wird. Andererseits ist es fragwürdig, ob die Prämisse der Lohndiskriminierung überhaupt zutrifft. Gut die Hälfte des Lohnunterschieds von rund 17,4 Prozent erklärt sich gemäss Analysen durch Faktoren wie Alter, Ausbildung oder Branche. Die verbleibende unerklärte Lohndifferenz lässt sich jedoch nicht mechanisch mit Lohndiskriminierung gleichsetzen, wie das in der politischen Diskussion oft vorschnell gemacht wird. Problematisch ist in erster Linie, dass die Schweizer Lohnanalysen diverse Erklärungsfaktoren nicht berücksichtigen, die gemäss der internationa- len Forschungsliteratur die Lohnunterschiede beeinflussen (z. B. Arbeitserfahrung). So zeigen internationale Studien: Je mehr lohnrelevante Erklärungsfaktoren in der Analyse berücksichtigt werden, desto tiefer fällt die unerklärte Lohndifferenz aus. Aufgrund der Datenlage und der methodischen Schwierigkeiten lässt sich zurzeit keine Aussage über die tatsächliche Lohndiskriminierung in der Schweiz machen. Es gibt klare Hinweise, dass die gemessenen Lohndifferenzen bei einer umfassenderen Datenbasis beträchtlich sinken könnten. Ein zusätzliches Indiz dafür ist, dass selbst im öffentlichen Sektor Lohnunterschiede festgestellt werden – trotz verbindlicher Lohntabellen. Die umstrittene und ungeklärte Evidenz zur Lohndiskriminierung mag als Argument für ein tieferes Frauenrentenalter folglich nicht herhalten. Sinnvoller wäre, diejenigen Faktoren an- zugehen, die nachweislich dazu führen, dass Frauen ihr Arbeitsmarktpotenzial weniger gut ausschöpfen und als Folge auch weniger verdienen.

Die zehnte und bisher letzte grössere AHV-Revision datiert von 1997. Die Renten blieben seither jedoch nicht unverändert. Alle zwei Jahre werden sie gemäss dem sogenannten Mischindex der Lohn- und Preisentwicklung angepasst. In der Vergangenheit stiegen die Nominallöhne meist stärker als die Preise, was die Kaufkraft bestehender Renten erhöhte. Zudem führt die steigende Lebenserwartung dazu, dass die durchschnittliche Rentenbezugsdauer immer weiter ausgedehnt wird. Seit 1980 (Einführung des Mischindexes) nahm die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren um rund fünf Jahre zu. Als Folge stieg die gesamte AHV-Summe, die einem durchschnittlichen AHV-Rentner in seinem Rentnerleben ausbezahlt wird, zwischen 1980 und 2018 real um 62 Prozent (Männer) bzw. 33 Prozent (Frauen). Auch eine längere Bezugsdauer bei gleichbleibender Beitragsdauer ist letztendlich ein AHV-Ausbau, der finanziert werden muss.

Bereits heute stammen nur rund drei Viertel der AHV-Einnahmen aus Lohnbeiträgen. Ei- ne noch stärkere Steuerfinanzierung durch eine Erhöhung der direkten Bundessteuer (dBSt) würde dem Versicherungsgedanken der AHV widersprechen. Sind die Beiträge kaum mehr an die Rentenleistung geknüpft, dürfte die Identifikation mit dem Sozialwerk langfristig lei- den. Die mehrheitliche Finanzierung über Lohnbeiträge verhindert zudem eine allzu starke Gegenwartspräferenz in Politik und Gesellschaft. Ob es mehr oder weniger Umverteilung braucht, bedingt letztlich ein gesellschaftliches Urteil, sollte jedoch auf einer soliden Analyse der existierenden Einkommensverteilung und Steuerbe- lastung basieren. Die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung in der Schweiz ist von Stabilität geprägt, die Einkommensschere öffnet sich nicht. Insgesamt leisten gutverdienende Bürger einen beträchtlichen und stark überdurchschnittlichen Beitrag zur Finanzierung des Staates und der Sozialversicherungen. So verfügen die einkommensstärksten 10 Prozent über gut einen Drittel aller Einkommen, kommen aber für rund 80 Prozent der dBSt-Einnahmen auf. Zudem wirkt die AHV für Reiche als «Hochlohnsteuer», weil die Lohnbeiträge ab einer bestimmten Einkommensschwelle nicht mehr rentenbildend wirken. 2018 betrugen die Einnahmen aus der dBSt rund 22,45 Mrd. Franken, wobei die Einkommen- steuer natürlicher Personen und die Gewinnsteuer juristischer Personen je rund die Hälfte ausmachten. Gemäss den AHV-Finanzperspektiven müsste eine Erhöhung der dBSt schon ab En- de der 2020er-Jahre bis 2045 jährlich zusätzliche 5–20 Mrd. Franken generieren. Verglichen mit den heutigen dBSt-Einnahmen sind das enorme Summen, die beträchtliche Steuererhöhungen nötig machen würden. Eine entscheidende Frage ist, wie die Individuen und Unternehmen auf entsprechende Steuerer- höhungen reagieren würden. Gerade reiche Personen und international tätige Unternehmen sind vergleichsweise mobil. Langfristig würde sich eine markante Steuererhöhung deshalb u. a. in einer reduzierten Lohnsumme niederschlagen, was sich wiederum negativ auf den Konsum und die Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen auswirken würde. Die konkreten Verhal- tensänderungen lassen sich basierend auf der bestehenden Literatur kaum abschätzen. Studien deuten jedoch darauf hin, dass eine dBSt-Erhöhung um mehrere Prozentpunkte gerade bei den für die Schweiz wichtigen international mobilen Firmen zu einem markanten Abfluss an Steuersubstrat führen könnte.

Gemäss Bundesverfassung soll die AHV zusammen mit der beruflichen Vorsorge die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise gewährleisten. Das Vorsorgeziel ist folglich als relatives Ziel definiert, wobei steigende Löhne infolge Produktivitätssteigerungen zu höheren Rentenansprüchen führen. In der AHV profitieren aufgrund des Mischindexes sowohl Erwerbstätige wie Personen im AHV-Alter noch vom Wirtschafts- bzw. Lohnwachstum. Produktivitätssteigerungen erhöhen folglich nicht nur die Arbeitseinkommen, sondern fliessen ebenso in Rentenzahlungen. Eine Abkehr von diesem System (d. h. Definition eines absoluten Vorsorgeziels bei gleichzeitiger Senkung des Rentenalters) wäre zwar denkbar, jedoch in der Praxis mit finanziellen Einschnitten und grossen Herausforderungen verbunden. Letztlich müssen alle umlagebasierten Renten aus dem laufenden Bruttosozialprodukt finanziert werden. Ein tieferes Rentenalter würde nicht zuletzt die bestehende Finanzierungsproblematik signifikant verschärfen und wäre mit verstärkten Lasten für die jungen und zukünftigen Erwerbstätigen verbunden.

  • Eine ökonomische Beurteilung der wichtigsten Argumente

Die AHV schreibt seit Jahren rote Zahlen. Die Hoffnung, selbst einmal eine gute Rente zu beziehen, schwindet. Deshalb braucht es die Renteninitiative: sie sichert unsere Renten nachhaltig.

Matthias Müller, Kanton Zürich

Präsident Jungfreisinnige

Matthias Müller, Kanton Zürich

Die Renteninitiative sichert unsere Altersvorsorge nachhaltig – ein Gewinn für alle Generationen.

Christian Wasserfallen, Kanton Bern

Nationalrat FDP

Christian Wasserfallen, Kanton Bern

JA zu einer nachhaltigen Reform der Altersvorsorge! Mit einer schrittweisen Erhöhung des Rentenalters von 65 auf 66 Jahre sichern wir die AHV auch für künftige Generationen.

Muriel Frei, Kanton Appenzell Ausserrhoden

Jungfreisinnige

Muriel Frei, Kanton Appenzell Ausserrhoden

Eine Erhöhung des Rentenalters sichert uns unseren Wohlstand im Alter. Gerne bin ich bereit länger zu arbeiten, anstatt jährlich massiv höhere Abzüge ertragen zu müssen.

Leroy Bächtold, Kanton Zürich

Jungfreisinnige

Leroy Bächtold, Kanton Zürich

Die Renteninitiative sorgt für eine nachhaltige Finanzierung der AHV -auch für zukünftige Generationen!

Marcel Dobler, Kanton St.Gallen

Nationalrat FDP

Marcel Dobler, Kanton St.Gallen